Firmenkultur: Kostenloser Espresso für den Taxifahrer

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Nach meiner Ansicht zählt auch die persönliche Aufmerksamkeit zu den wichtigsten Kennzeichen eines erfolgreichen Unternehmers. In der gelebten Firmenkultur sind es die kleinen Signale, die zählen.

Firmenkultur

Foto: shutterstock

Emotionale Momente setzen wertvolle Marker

Marlies Nussbaumer ist eine kluge Frau. Ich kenne die stellvertretende Direktorin der Schweizer Hotelfachschule Belvoirpark bereits seit drei Jahren. Doch in der letzten Woche hat sie mich bei einem Seminar, das ich für ihre leitenden Mitarbeiter gehalten habe, erneut überrascht: „Ich empfehle Hoteliers schon seit Jahren, dem Taxifahrer, der einen Gast abholt, einen kostenlosen Espresso anzubieten!“

Überraschte Blicke in der Runde. Dann führt Marlies Nussbaumer ihre Rede fort: „Was glauben Sie, an welches Hotel in der Stadt wird sich der Taxifahrer als erstes erinnern, wenn ihn ein neuer Gast nach einer Hotel-Empfehlung fragt? Ganz klar: An das Haus, in dem er selbst Gastfreundschaft erlebt hat!“

Welche Firmenkultur leben Sie in Ihrem Unternehmen?

Nach meiner Beobachtung ist es nicht das imposanten Firmengebäude, das hochglanzpolierte Luxusauto oder der teure Maßanzug, die den Erfolg ausmachen. Es sind vielmehr die kleinen Symbole, die den Unterschied prägen. Für mich beginnt dies bereits beim Betreten eines Unternehmens: Der erste Eindruck bleibt häufig haften.

„Herzlich Willkommen, Herr Rainer Wälde“, lese ich beim Betreten der Firma „Kopp Schleiftechnik“ im hessischen Odenwald und fühle mich direkt wertgeschätzt. Als zweites fällt mir die angenehme Musik auf und der Parkettboden in der Produktionshalle auf. Das überrascht mich in einer Werkzeugschleiferei und setzt bei mir als Besucher einen weiteren positiven Marker.

Für mich liegt es am Chef, ob das Unternehmen eine Firmenkultur der Wertschätzung oder der Armut lebt. Beide Formen habe ich in den letzen 30 Jahren in zahlreichen Betrieben erlebt.

Schäbige Teppiche und muffige Räume

In den letzten Wochen war ich mit meiner Frau in zwei Notariaten, beide in Hessen und doch so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten: Der erste Notar begrüßte uns in seinem geschmackvoll eingerichteten Besprechungszimmer, bot Wasser und Kaffee an. An der Wand einige Kunstwerke, aufgeräumte Regale, wenige Broschüren. Das ganze Interieur atmete eine Ordnung und Klarheit und drückte gleichzeitig eine angenehme Gastfreundschaft aus.

Notar zwei: Enges Wartezimmer mit zu vielen Stühlen, im Sitzen konnte man fast das Knie des Gegenübers berühren. Dann der Gang über einen muffigen Flur, alte Teppiche, kein Besprechungszimmer, kein Wasser, kein Kaffee. Stattdessen saßen wir auf den klassischen Besucherstühlchen vor einem großen hölzernen Chefschreibtisch. Hinter dem Notar stapelten sich meterhohe Aktenberge.

Welchen der beiden Notare werde ich weiterempfehlen? Ganz klar: Die Nummer eins, der eine Kultur der Wertschätzung lebt. Beim seinem Kollegen atmete ich erst wieder auf, als wir wieder auf die Straße treten: Bloß raus hier!

Feedback-Kultur sorgt für frischen Wind

In erfolgreichen Unternehmern beobachte ich immer wieder, dass sie eine aktive Feedback-Kultur leben: Auf die banale Frage der Gastgeber „Wie war Ihre Anreise?“ kommen mitunter eine ganze Reihe von wertvollen Beobachtungen der Besucher. Aufmerksame Chefs registrieren diese Rückmeldungen und geben sie als Verbesserungsvorschläge auch an ihre Mitarbeiter weiter.

In dieser Woche haben wir das neue Gästehaus im Gutshof eröffnet. Nach 12 Monaten Bauzeit sind meine Frau und ich sehr gespannt, wie die ersten Besucher hier schlafen und fragen jeden Gast nach seinen Eindrücken. Natürlich wollen wir wissen, was wir in den nächsten Wochen noch optimieren und verbessern können?

Gutshof Gästehaus

Gastfreundschaft wie bei Freunden

Meine Frau und ich sind beide nicht aus dem Gastgewerbe und haben uns bewußt entschieden, auch keinen typischen Hotelbetrieb zu führen. Im Gegenteil: Bei der Planung und Einrichtung haben wir immer an private Gästezimmer gedacht. Wie würden wir unsere Familie und unsere besten Freunde unterbringen? Was schätzen wir selbst, wenn wir bei Freunden eingeladen sind?

Auf diesem Hintergrund haben wir uns für Massivholzbetten und Schränke von der Schreinerei Pfaar aus unserer Region entschieden. Dazu das hochwertige Bettsystem von Lattoflex, auf dem wir selbst auch schlafen und passende Gardinen von Polster7.

Wir verzichten auf alles, was typisch Hotel ist – auch auf die Minibar und richten stattdessen eine gemütliche Weinstube ein, in der sich die Gäste – wie bei Freunden – selbst bedienen können. Besonders glücklich sind wir über die edlen Eichendielen, die Wohnzimmer-Charakter vermitteln. Auch sie wurden von einem meiner bloggenden Kunden Parkettum verlegt.

Firmenkultur: Lernen vom Vorbild

Zum Schluß möchte ich noch einen zentralen Punkt hervorheben: Eine glaubwürdige Firmenkultur sollte nie berechnend sein. Wenn ich meinen Kunden und meinen Mitarbeitern „diene“ spüren sie intuitiv, ob die kleinen Zeichen der Wertschätzung wirklich von Herzen kommen. Falls nicht, sind sie wertlos und verpuffen.

Marlies Nussbaumer von der Zürcher Hotelfachschule Belvoirpark ist für mich ein glaubwürdiges Vorbild. An ihrem Beispiel kann jeder aufmerksame Besucher erkennen, was eine authentische Chefin ausmacht: Sie führt durch ihr Vorbild. Ohne mit der Wimper zu zucken, übernimmt sie alle Aufgaben, die sie auch von ihren Studenten und Mitarbeitern erwartet, mahlt den Kaffee, rückt die Tische und räumt selbst das schmutzige Geschirr weg.

Mit jedem kleinen Handgriff prägt sie die Firmenkultur, ist Teil des Teams und lebt Wertschätzung – nach innen und außen. Sie ist für mich ein glaubwürdiges Beispiel, an dem ich mich selbst orientieren kann.

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