Glaserei Sterz: Von Null auf 100 zur Personenmarke

„Moin“ sagt Sven Sterz in die Kamera und kommt auch gleich zur Sache: „Ich habe zwei Ausbildungsplätze zu vergeben!“ Nach knapp zwei Minuten ist er fertig, lädt das Video bei Facebook hoch und landet einen viralen Überraschungshit: Fast vier Millionen Mal wird seine visuelle Stellenanzeige angeklickt. Gleichzeitig wird der unbekannte Handwerker aus Bremerhaven zu einer bundesweit bekannten Personenmarke.

Glaserei Sterz Personenmarke

Sterz ist die Marke

„Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“, sagt man in Norddeutschland, wenn man einen Klaren trinkt und dieser Spruch beschreibt ziemlich gut das Setting von Glasermeister Sterz. Der rührige Handwerker nennt sich selbst die „erste Adresse in Bremerhaven, wenn es um Glas geht!“ Offensichtlich hat er genügend Aufträge, aber Mühe, zwei Auszubildende zu finden.

Mit Wollkappe und dem knappen „Moin“ ist er vom ersten Augenblick an eine Marke. Nicht nur beim ersten Kundenkontakt, sondern auch vor der Kamera. Am 10. Februar dreht er seinen ersten Clip und nimmt mit subjektiver Kamera die potentiellen Bewerber auf die Baustelle. Sechs Tage später dann ein zweiter Versuch, der zum großen Hit wird.

Sterz arbeitet mit einem Überraschungseffekt

Der gravierende Unterschied: Beim zweiten Video ist Sven Sterz im Bild zu sehen. Offensichtlich hat der Handwerker bemerkt, dass er selbst die Auszubildenden ansprechen muss. Wortlos schleppt er eine große Glasscheibe aus seiner Halle und setzt auf einen coolen Überraschungseffekt, indem er die sie wortlos zu Bruch gehen lässt. Als Filmemacher empfinde ich beide Elemente als wichtigen Schachzug. Etwas Drama ist immer gut.

Doch dann setzt er noch einen drauf: „Mich interessiert nicht, woher du kommst oder welche Schulbildung du hast!“ Yepp, denke ich! Damit baut sich Sven Sterz ein klare Positionierung, die ihn von seinen Mitbewerbern unterscheidet und gewinnt gleichzeitig die volle Aufmerksamkeit seiner Zielgruppe.

Nach diesem inneren „Ja“ der Zuschauer setzt der rührige Handwerker zum Frontalangriff an: „Aufgeben oder Abbrechen der Ausbildung sind keine Option!“ Chapeau, denke ich, der Mann spricht Klartext – auch das passt sehr gut zu seiner Personenmarke.

Sterz liest vom Blatt

Doch der eigentliche Clou kommt erst noch: Dramaturgisch geschickt greift Sven Sterz zum Manuskript, diese Stelle finde ich besonders gelungen. Mit dem staatsmännischem Duktus eines Tagesschau-Sprechers setzt er einen besonderen Trommelwirbel „das kann ich selbst kaum glauben“.

Dann zaubert er noch ein weißes Kaninchen aus dem Glaserhut und verkündet selbstbewußt, dass er monatlich noch 100 Euro auf die Ausbildungsvergütung drauflegt. Damit hat er nach meiner Ansicht den Pitch gewonnen und die Grundlage für seinen viralen Hit gelegt.

Knapp vier Millionen Klicks bei Facebook – darauf kann Sven Sterz zu Recht stolz sein. Dazu ein bundesweites Pressecho von der Bild-Zeitung bis zur renommierten „Welt“. Dieser PR-Erfolg ist ein kostbarer Nebeneffekt, der sich für ihn auf Jahre auszahlt.

Sterz nutzt die virale Kraft

Am Ende seines Videos platziert der Handwerker noch seinen Marken-Dreiklang: „Pünktlich, sauber, zuverlässig – Glaserei Sterz“ und bringt einen Call-to-Action unter: „Ruf mich an!“ Besser kann man es wirklich nicht machen.

Sicher, als professioneller Video-Produzent, würde ich meinen Kunden ganz ehrlich sagen: Die Kamera ist schlecht, der Ton nicht gut aufgenommen. Doch in diesem Beispiel ist das völlig. Im Gegenteil: Durch die laienhafte Mache wirkt es für die Zielgruppe noch authentischer.

Übrigens: Vor wenigen Tagen hat Sven Sterz seine Suche beendet und das Ergebnis in einem weiteren Video öffentlich verkündet. Wie in der Augsburger Puppenkiste klettern die drei neuen Azubis aus dem Lieferwagen und stellen sich kurz vor. Cool wie ihr Chef sagen sie der Reihe nach den Claim auf: „Pünktlich, sauber, zuverlässig – Glaserei Sterz“. Auch dieses Video erreicht wieder  Zehntausende.

Mein Best-Practice-Tipp

Haben Sie den Mut und adressieren Sie Ihre Zielgruppe als Selbständiger oder Unternehmer persönlich. Treten Sie selbst vor die Kamera – Sie sind die Marke!

Planen Sie bewußt auch dramaturgische Effekte ein, um ihr Publikum zu überraschen. Auch kleine Marotten – wie die blaue Wollmütze – prägen sich dauerhaft ein.

Agieren Sie authentisch: Was für einen Glasermeister stimmig ist, passt nicht zu jeder Branche. Finden Sie Ihren persönlichen Stil!

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