Konfliktgespräche: Mut zu klaren Worten

Können Sie sich vorstellen was Mitarbeiter denken, wenn ihr Chef nach einem Kommunikationsseminar für Führungskräfte auf einmal Sätze spricht, die weder zu ihm passen, noch wirklich ehrlich klingen? Und wenn sich dann Mimik und Gestik so verändern als hätte man das Gefühl, Zuschauer in einem Theaterstück zu sein, ist es völlig normal, dass Mitarbeiter mit einem zynischen Lächeln auf Abstand gehen.

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Ich war 20 Jahre abhängig beschäftigt und durfte 11 Vorgesetze erleben und beobachten. Manchmal habe ich den Satz, „ich warte mal eine Woche, dann ist Herr XY wieder der Alte“ ausgesprochen und häufig erfüllte sich meine Prophezeiung.

Gerade in Konfliktgesprächen ist es eine Kunst, gelassen zu bleiben, würdevoll aufzutreten und sich klar auszudrücken- ohne ein Schauspiel zu inszenieren. Aufgeregtes Lautwerden und hilfloses Verstummen helfen auf keinen Fall weiter. Entscheiden Sie sich in schwierigen Situationen für entschlossene Souveränität, klare Kommunikation und eine sehr gute Vorbereitung.

Klarheit siegt

Viele Menschen glauben, ihre kommunikativen Fähigkeiten verbessern zu können, indem sie lernen, besser zu reden. Es geht aber in Konfliktgesprächen grundsätzlich um das bessere Zuhören: Gute Redner waren zuvor gute Zuhörer. Viele Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen wünschen sich einen Chef, der klare Ansagen macht und respektvoll mit ihnen umgeht.

Dazu gehört aus meiner Sicht, frühzeitig Konfliktpotentiale zu erkennen und Konflikte bereits im Entstehen anzusprechen. Gesprächskompetenzen und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, gehören für mich zu den Schlüsselkompetenzen der Zukunft.

Eine gute Gesprächsführung fällt nicht vom Himmel

In meinen Seminaren und Beratungen bekomme ich häufig die Antwort, dass sich nur wenige Menschen vor bedeutsamen oder schwierigen Gesprächen vorbereiten. Wie ist das bei Ihnen? Vertrauen Sie darauf, dass gute Argumente spontan vom Himmel fallen, oder bereiten Sie sich auf ein Gespräch mit unterschiedlichen Zielvorstellungen vor? Und erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang die Frage, ob Sie Ihre Ziele und Argumente schriftlich festhalten?

Mit einer schriftlichen Vorbereitung schaffen Sie es leichter, Ihr Ziel und Ihre Interessen zu erarbeiten. Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Gedächtnis sonst könnte es sein, dass Sie verlassen werden. Die Gefahr, Gedanken nur im Kopf zu bewegen, führt häufig zur Verzettelung und Ablenkung vom Ziel.

Mein persönlicher Tipp für Konfliktgespräche:

  • Drücken Sie sich klar und deutlich aus.
  • Formulieren Sie kurz und knapp.
  • Kommen Sie zielstrebig auf den Punkt.

Hüten Sie sich davor, bei der Vorbereitung Zeit zu sparen oder oberflächlich zu sein. Die gefühlte Zeitersparnis brauchen Sie bei mangelnder Vorbereitung wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt, weil der Konflikt sich aufschaukelt.

Bunte Zettelwirtschaft hilft, Prioritäten zu setzen

Für die praktische Umsetzung empfehle ich Ihnen, 5 Minuten im freien Fall zu denken und Ihre Gedanken unstrukturiert auf farbige Post-it-Notes zu kleben. Jeder Gedanke erhält einen separaten Zettel und wenn Sie mögen, arbeiten Sie mit unterschiedlichen Farben für verschiedene Denkrichtungen. Verzichten Sie auf Bewertungen und schreiben genau das auf, was Ihnen in den Sinn kommt.

Fotos: shutterstock

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Das Denken mit Post-it’s ist sehr flexibel und Sie helfen ihrem Gehirn, spielerisch nach guten Lösungen zu suchen. Sie verzichten bewusst darauf, sofort in Strukturen zu denken und werden darüber staunen, welche Gedanken plötzlich auftauchen. Natürlich nur, wenn Sie dieser Methode eine Chance geben.

Sind Sie bereit, Zugeständnisse zu machen?

Nach Ihrem bunten Brainstorming haben Sie ein gutes Gefühl dafür, ob Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes schon in der Vorbereitung verzettelt haben. Auf diese Weise können Sie an einem Thema dranbleiben und immer wieder verschiedene Prioritäten setzen, in dem Sie die Zettel einfach um kleben.

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch, dass Sie bereit sind, Zugeständnisse zu machen. Die beste Vorbereitung wird nichts nützen, wenn Sie sich auf Ihre Ziele ohne die Bereitschaft zum Kompromiss fixieren.

Denken Sie daran: Gelingende Gespräche brauchen die Bereitschaft zum Geben und Nehmen.


Monika Bylitza

sammelte 20 Jahre Praxiserfahrungen auf den Gebieten Personalführung, Coaching, Wertpapiermanagement und Vertrieb bei einer deutschen Großbank. Heute coacht sie Privatpersonen und Führungskräfte. Termine unter:
www.typakademie.de/bylitza



Kommentare

Christine Becker says

Sehr guter Beitrag. Die Idee mit den bunten Post-it-Zetteln werde ich beim nächsten Konflikgespräch gleich ausprobieren. Danke!

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