Haben Sie Zugang zu den geheimen Zirkeln Ihrer Kunden?

Was sagen Bierliebhaber über Ihre Marke? Mit diese Frage beschäftigten sich gestern die Chefs von mittelständigen Brauereien in Leogang in Tirol. Als Redner war ich zu dieser viertägigen Konferenz eingeladen, zu der rund 100 Entscheider aus der Getränkeindustrie gekommen waren, darunter auch der Handel und die Zulieferer. Mein Thema „Stärken Sie Ihre Marke und Ihren guten Namen“ passte sehr gut zu den Fragen, wie das Marketing 2017 in der zunehmend digitalisierten Welt gelingt.

Foto: Shutterstock

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Wie stark identifizieren sich die Kunden mit Ihrer Marke?

Welche Möglichkeiten hat eine Brauerei mehr über die Gewohnheiten ihrer Kunden zu erfahren? Robert Glaab, Chef der mittelständigen Glaabsbräu, erzählte mir vom Neubau seiner Brauerei und den 5.000 Besuchern, die im letzten Jahr die neue Anlage besichtigen wollten. 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit sich die Kunden noch stärker mit der Marke identifizieren hat er die neue Anlage mit einer interaktiven Ausstellung verknüpft, in dem der Brauprozess visualisiert wird. Dazu hängen neben den Kesseln künstlerisch gestaltete Lampen, die Hopfenblüten nachempfunden sind. Sie haben eine emotionale Funktion, verankern sich im emotionalen Gedächtnis der Kunden, werden fotografiert, auf facebook gepostet, geliked, geteilt. Damit erreicht Robert Glaab eine virale Wirkung in den sozialen Netzwerken, zieht neue Besucher an.

Gibt es einen digitalen Stammtisch?

Der Stammtisch ist in der Gastronomie eine jahrhundertealte Tradition: Die Einwohner des Dorfes debattieren bei einer Maß Bier über Gott und die Welt und tauschen Neuigkeiten aus der Region aus. Natürlich kann sich ein Brauer einfach dazu setzen und nachfragen, was die Gäste über seine Braukunst denken und dabei auch Marktforschung betreiben.

Was in der analogen Welt seit Langem funktioniert, ist auch in den sozialen Netzwerken zu finden: Die digitalen Stammtische treffen sich bei Whatsapp und Facebook und tauschen sich in offenen oder geschlossenen Gruppen über ihre Leidenschaften aus.

Die Crux am digitalen Wandel: Viele Entscheider haben gar keinen Zugang zu den sozialen Gruppen und wissen deshalb auch nicht, was in diesen Zirkeln über ihre Produkte geschrieben, gepostet und geliked wird.

Wer sind die Multiplikatoren in Ihrer Branche?

Meine Empfehlung: Machen Sie die Multiplikatoren in Ihrer Branche ausfindig. Welche Personen kommunizieren regelmäßig bei Facebook zu Ihrem Thema? Welche Beiträge von welchen Multiplikatoren werden kommentiert und geteilt?

Die Getränkeimpulstage sind als Branchentreff ein gutes Vorbild, das sich auf die digitale Welt übertragen lässt. Ob beim Frühstück oder dem Heurigen – der Dialog und das praktische Netzwerken zählt zu den wichtigsten Benefits, von denen alle Teilnehmer profitieren.

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Dialog mit Leichtkeit und Konsequenz

Dieser Dialog von Mensch zu Mensch ist auch die Essenz der sozialen Netzwerke: Einer meiner Kunden macht dies seit Jahren mit Bravour vor: Walter Stuber leitet mit einem Partner die Gemeinhardt Spezial Gerüstbau in Sachsen. In einer stark umkämpften Branche nutzt er Facebook & Co mit einer Leichtigkeit und Konsequenz, die ich begeisternd finde.

Walter Stuber hat etwas ganz Entscheidendes erkannt: Die sozialen Netzwerke leben vom aktiven Dialog. Also teilt und kommentiert er die Beiträge von anderen, wo er nur kann. Er drückt in seinen Anmerkungen häufig Wertschätzung und Respekt aus, lässt sein Gegenüber glänzen, statt sich selbst ständig in den Mittelpunkt zu rücken.

Kennen Sie die Influencer?

Damit hat Walter Stuber einen großen Fanclub aufgebaut, die auch seine Nachrichten verfolgen und diese wiederum teilen. Doch der eigentliche Clou: Auf seiner Freundesliste gibt es zahlreiche „Influencer“ – das heißt bekannte Persönlichkeiten mit entsprechender Reichweite, die auch für Walter Stuber wieder für Multiplikation sorgen.

Zurück zu den Bierbrauern und ihrem Branchentreffen in Tirol: Bislang konnte ich nur wenige Unternehmer ausmachen, die bereits erfolgreich die digitalen Stammtische für ihre Produkte nutzen. Mein Wunsch: Dass sich 2017 einige innovative Getränkeproduzenten und Händler aufmachen und mit spannenden Geschichten und interaktiven Dialogen neue digitale Stammtische gründen, die für ihre Braukunst schwärmen und diese Leidenschaft teilen.




Kommentare

Walter Stuber says

Hallo Herr Wälde, ein echt super Blogbeitrag, da passt da gut mein nächster Blogbetrag dazu. Erscheint am 24.01.2017 auf meiner Webseite

Rosa Schuh says

Wer sich in meiner Branche in privaten Zirkeln präsentieren möchte, der wird sofort abgewatscht und als unprofessionell wahrgenommen. Nach dem Motto, hat es nötig. Das mit den Influenzern ist schon besser. Es kommt immer drauf an also. Das Internet ist auf jeden Fall nicht mit einem lokalen Stammtisch zu vergleichen.

Mir gefällt, wie Sie sich präsentieren, Herr Wälde.

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