Hirnforschung: Aktivieren Sie den Flanier-Modus Ihrer Kunden

Kürzlich sprach mich ein erfolgreicher Unternehmer auf mein neues Business-Magazin „MarkenHerz“ an: Er fand es sehr gut gemacht und interessant getextet. Dann kam sein großes „Aber“: Eine echte Geldverschwendung! Daraus entwickelte sich ein spannender Dialog und die Idee für diesen Beitrag aus der Hirnforschung.

Foto: shutterstock

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Irrglaube Nr. 1: Kunden wollen alles nur noch digital

Dieses Argument höre ich immer wieder – auch von mittelständischen Unternehmern. Für bestimmte Angebote ist dies auch richtig: Produktinformationen, Reiserouten, Adressen, Kundenbewertungen – alles das möchte der Kunde schnell und bequem rund um die Uhr im Internet finden.

Was viele Unternehmer jedoch übersehen: Beim Griff zum Tablett oder Smartphone, schaltet das Gehirn in eine Art Stressmodus. Wie der Hirnforscher Hans-Georg Häusel in einem Interview des neuen Magazins „Turi2“ erklärt, reagiert der Kunde bei gedruckten Inhalten deutlich entspannter: Sobald er eine gedruckte Zeitschrift in die Hand nimmt, „schaltet sein Gehirn in den Flanier-Modus. Er ist entspannter und nimmt Inhalte anders auf.“

Wer verstehen will, braucht Print

Die Ergebnisse aus der Hirnforschung und dem Neuromarketing zeigen, wie wichtig gedruckte Medien für Ihre Kunden sind. „Wer verstehen will, braucht Print“, betont Häusel und erklärt den Unterschied zwischen Kontroll- und Belohnungsmedien. Beim Zeitungslesen gewinne ich das Gefühl die Welt zu verstehen. Was ich verstanden habe, gibt mir Sicherheit und das Gefühl: „Ich habe es im Griff“. Diese Kontrollmedien wie Spiegel online werden meist nur in der digitalen Welt genutzt.

Um ihre Abonnenten nicht zu verlieren, packen die Verlage immer redaktionelle Beilagen in die Zeitung: Die Magazine von Süddeutsche und Zeit sind gute Beispiele für diese Belohnungs-Medien. Auch „Die Welt“ praktiziert dies mit einem Kultur und Wirtschaftsmagazin, das gratis beigelegt wird.

Irrglaube Nr. 2: Kunden wollen nur noch kurze Texte

In der Internet-Welt stimmt dieses Argument: Die Hirnforschung zeigt, dass der Spannungszustand des Gehirns gegen lange digitale Texte spricht, wie Hans-Georg Häusel betont. Die Forscher beobachten, dass selbst junge Menschen entspannter ein Print-Magazin statt einer iPad-Ausgabe lesen. Echter Lesegenuss entsteht auch bei längeren Artikeln, wenn er gedruckt abends auf dem Sofa bei einem schönen Tee oder Rotwein gelesen wird.

Entscheidend ist nach meiner langjährigen Erfahrung als Journalist, ob die Geschichte interessant mit Fotos und Grafiken aufbereitet ist und auch die Headlines in den Text ziehen. Der Leser will überrascht und verführt werden. Wenn Sie bisher gelesen haben, liegt dies vielleicht auch an der interessanten Überschrift: Aktivieren Sie den Flanier-Modus Ihrer Kunden.

Mein Credo: Wenn Sie alle Sinne ansprechen wollen, brauchen Sie auch Print

Vor vier Jahren haben meine Frau und ich eine wichtige Entscheidung getroffen: In unserer TYP Akademie verzichten wir auf gedruckte Seminarprogramme – alle detaillierten Beschreibungen wandern in die Online-Welt. Das eingesparte Werbebudget investieren wir seitdem in einen Coachingbrief für unsere Kunden: Authentisch leben erscheint vier Mal im Jahr und wird in gedruckter Form von rund 10.000 Menschen gelesen. Wir verzichten auf Werbung und investieren in Content, in wertvolle Tipps, die dem Leser praktischen Nutzen bieten.

Authentisch Leben Auswahl

Statt Push-Marketing (Kaufe jetzt hier und heute) setzen wir damit auf Pull-Marketing und Neugierde (Wer steckt hinter diesem Coachingbrief?) Das aufwendige Layout und der Druck werten den Kundenbrief auf und bieten damit auch einen entspannten Lesegenuss.

Zurück zum Argument meines Unternehmer-Kollegen: Das ist echte Geldverschwendung! Auf den ersten Blick mag dies so erscheinen, da ich nicht sofort einen „Return-on-invest“ sehe. Für meine Frau und mich ist der gedruckte Coachingbrief und auch das Business-Magazin ein haptisches „Saatgut“, dessen Ernte nicht sofort, sondern in den kommenden Monaten und Jahren aufgeht.

Nun interessiert mich Ihre Meinung: Welche Erfahrung machen Sie mit gedruckten Kunden-Magazinen? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar…




Kommentare

Prof. Dr. Rainer Wallerius says

Ich kann dem nur zustimmen. Zum Ansprechen der Sinne gehört eben auch das Haptische.
Der gedruckte Coachingbrief ist 'spürbar', anfassbar; er glänzt; er hat einen Duft... man kann was drauf schreiben, etwas abreißen ...
Das Gehirn ist mit rein Digitalem nicht adäquat bedient; es braucht die ganze Fülle der sinnlichen Erfahrungen. Der weitgehende Verzicht auf die anderen, als die visuellen und auditiven Reize, führt langfristig zur Verarmung der Wahrnehmungsfähigkeit und Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn.

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