Resilienz: Wie Sie in einer Welt im ständigen Update-Modus überleben

„Alles wird anders. Vergiss den alten Kram, wir machen das jetzt per App, auf Zuruf, auf Honorarbasis, kurzfristig, global, projektbezogen. Auf jeden Fall nicht wie früher“, schreibt Alexander Hirschmann im neuen Männermagazin „Cord“. Ich finde damit trifft er das Lebensgefühl ziemlich gut. Doch wie sollen wir mit ständigen Wandel umgehen? Wie trainieren wir Resilienz?

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Wenn der Tag nicht genügend Stunden hat

Die Tischler-Innung ruft bei mir an: „Herr Wälde, können Sie für uns einen Vortrag über Zeitmanagement halten: Wie komme ich aus dem Hamsterrad raus?“ Ich frage nach und erfahre, dass es mehr als genügend Aufträge gibt, doch mit der Work-Life-Balance der Unternehmer hapert es.

Dieses Gefühl kenne ich als Unternehmer sehr gut und frage mich selbst, wie ich in dieser Welt, die sich immer schneller dreht, gesund lebe oder besser gesagt: überlebe! Drei kleine Beispiele: Ständig fordert mich ein elektronisches Gerät zum Update auf. Allein heute Morgen sind es auf meinem Telefon wieder 28 Apps, die aktualisiert werden wollen.

Die digitale Wandelmaschine erträgt keinen Stillstand

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich bei meinem BMW Händler. Der Servicechef beschwert sich gleich zweifach über die langsame EDV, die seit dem Update nur noch schleppend funktioniert.

Vor wenigen Wochen habe ich mir eine Kamera gekauft: Die Sony R7M3 ist im Dezember neu erschienen. Doch bereits im Februar gibt es ein neues Modell. „Ich bin Teil der digitalen Wandelmaschine, die alles erträgt, bloß keinen Stillstand“, schreibt das Magazin Cord „und weil ich mitspielen will, würde ich gern etwas lernen. Und zwar mit dem permanenten Wandel zu leben – ohne mich dabei zu verlieren.“

Wir sind überall, nur nicht bei uns

Bei meiner Recherche stoße ich auf das Buch von Georg Milzner: „Wir sind überall, nur nicht bei uns“. Der Autor benennt das „Zeitalter der Ablenkung“ beschreibt sehr anschaulich, „warum wir anwesend abwesend sind“.

Milzner erzählt von einem Vater, der mit seinem Kind auf den Spielplatz geht. Schritt für Schritt klettert der Zweijährige die Treppen der Rutsche hoch, dabei hält der Vater seine Hand. Dann kommt ein Signal auf dem Smartphone an, der Vater lässt das Kind los und greift kurz in die Manteltasche. Das Kind verliert den Halt und stürzt kopfüber über den niedrigen Rand der Rutsche nach unten.

Ein vermeidbarer Unfall? Ohne Zweifel! Milzner belegt mit einer Untersuchung, dass sich seit der Einführung von Smartphones im Jahre 2007 „Kleinkinderunfälle in dramatischem Maß gesteigert haben“. Ursache: „Die mentale Abwesenheit von Eltern, die mit ihrem Tablet oder Smartphone beschäftigt sind.“

Resilienz

Selbstentfremdung durch soziale Netzwerke

Mich bewegt ein Satz von Milzner, der das aktuelle Dilemma gut auf den Punkt bringt: „Einerseits begegnen wir Menschen am anderen Ende der Welt mit einer Leichtigkeit, die faszinierend ist. Andererseits treffen wir den einzigen Menschen, der für uns wirklich lebenswichtig ist, immer seltener an: uns selbst“.

Diese Selbstenfremdung, wie Georg Milzner sie nennt, wurde durch eine „moderne, schnelllebige, technisierte Welt möglich gemacht, die an den Erfordernissen des globalen Kapitalismus ausgerichtet ist.“ Diese Lebensform macht krank, so der Autor und weist auf „ein tieferes Bedürfnis nach Selbstaufmerksamkeit und innerer Stimmigkeit“ hin.

Was verdient meine Aufmerksamkeit wirklich?

Ich finde diesen Ansatz sehr spannend, weil er nach meiner Einschätzung den Kern des Problems trifft: „Was fehlt, ist Selbstkompetenz, nicht Medienkompetenz“, so Milzner. Gleichzeitig weist er sehr klar darauf hin, dass die Frage: Was tut mir gut? falsch gestellt ist. Richtig müsse sie lauten: „Was macht mich lebendig? Und was verdient meine Aufmerksamkeit wirklich?“

Beide Fragen beschäftigen mich momentan sehr stark: Verdient ein neues Produkt, eine neue App wirklich meine Aufmerksamkeit? Nein, danke! Muss ich bei jedem Update-Zyklus der Industrie dabei sein? Nicht wirklich! Muss ich jede neue Serie auf Netflix oder Amazon Prime verfolgen? Auch hier ein klares: Nein!

Resilienz: Was macht mich lebendig?

Deutlich schwieriger finde ich die zweite Frage, die stark mit Ihrer Resilienz zu tun hat: Was macht mich lebendig? In der Anfangszeit der sozialen Netzwerke fand ich Facebook und Pinterest sehr anziehend. Mein Puls schlug höher, meine Phantasie wurde angeregt, wenn ich weltweit interessante Menschen und Projekte entdeckte. Aber macht es mich auch lebendig? Nein, wenn ich ehrlich bin, muss ich das Gegenteil eingestehen.

Facebook sorgt für schlechte Laune

Im „Spiegel“ habe ich dazu kürzlich einen interessanten Aufsatz gelesen: Der Forschungsdirektor von Facebook, David Ginsberg, stellt folgende Studie vor: „Generell berichten Menschen, dass sie sich schlechter fühlen, nachdem sie passiv Informationen konsumieren.“ Wenn sie also nur ihren Facebook-Newsfeed lesen, statt sich aktiv auszutauschen, schon zehn Minuten am Tag reichen für schlechte Laune, so zeigen Studien.

Ich muss grinsen: Facebook gibt zu, dass die Nutzung ihres Netzwerkes zu schlechter Laune führt. Damit ist auch meine persönlich erlebte Unlust, dort meine Zeit zu verbringen, jetzt wissenschaftlich belegt. Die Alternative: Mehr aktive Zeit mit Freunden und Bekannten verbringen – ein kurzer Anruf genügt. Das macht garantiert lebendig!

Mehr analog genießen

Es gibt noch einen weiteren Weg, um dem ständigen Update-Modus zu entfliehen und Ihre Resilienz zu trainieren: Weniger digital leben und mehr analog genießen. Für mich ist das eine tägliche Entscheidung: Kaufe ich mir ein neues Buch elektronisch oder gedruckt? Der Preisunterschied ist in Deutschland nur minimal, aber der Lesegenuß umso höher.

Auf Reisen nutze ich gerne meinen kindle, doch zuhause kaufe ich mir alle Sachbücher grundsätzlich analog. Das Gleiche gilt für meine Wochenlektüre „Die Zeit“. Ich habe gerade den Jahrestest hinter mir und über Monate die digitale Version mit der Printausgabe verglichen.

Zurück zum Print

Zugegeben: Bei den gefühlten zwei Pfund Papier pro Woche überkam mich immer wieder ein schlechtes Gewissen. Daraufhin wechselte ich zur elektronischen Fassung, mit dem Ergebnis: Von den 12 digitalen Ausgaben habe ich deutlich weniger Artikel gelesen, ich vermisse den Lesegenuss.

Also wieder zurück zum Print: Gemütlich sitze ich in meiner Leseecke am Fenster, genieße den Ausblick auf den Gutshof und zelebriere dabei meine Lektüre. Das Telefon ist weit weg, jetzt lasse ich mich von nichts und niemand stören!

Mein Best-Practice-Tipp, um Resilienz zu trainieren

Stellen Sie sich selbstkritisch die Fragen: Was macht mich lebendig? Und was verdient meine Aufmerksamkeit wirklich?

Überlegen Sie sich, in welchen Lebensbereichen Sie die analogen Dinge schätzen: Sie brauchen keine Updates und bleiben, wie sie sind.

Planen Sie in Ihrem Alltag kleine Auszeiten ein, in denen Sie bewußt entschleunigen – ohne soziale Netzwerke und digitale Ablenkung.

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