“Bielefeld gibt’s doch gar nicht”, behauptet Achim Held. Er veröffentlicht 1994 einen Text, der satirisch gemeint ist, aber dem Image 25 Jahre lang schadet. Selbst die Kanzlerin witzelt darüber. Bis das Stadtmarketing einen cleveren Wettbewerb startet, um das eigene Image aufzuwerten.

Achim Held, der Initiator der “Verschwörung” spielt mit. Alle Fotos: Bielefeldmillion.de

Eine Million für den Beweis

Selbstbewusst tritt Pit Clausen als Oberbürgermeister vor die Kamera und lobt eine Million Euro aus, für denjenigen, der die “Nicht-Existenz” von Bielefeld beweisen kann. Die Marketingabteilung von Dr. Oetker setzt noch einen drauf und bietet zusätzlich eine Million Puddingpäckchen für den Gewinner.

Die Kampagne ist auf zwei Wochen angelegt und wird zum viralen Hit. Bielefeld erlebt eine große Social-Media-Welle, auf der bei Twitter, Instagram und Facebook gesurft wird.

Auch die klassischen Medien springen auf: Von der ARD Tagesschau bis zu ZDF Heute greifen viele große Player das Thema auf und spielen humorvoll mit.

Der starke Reputations-Gewinn

Bielefeld bekommt mediale Aufmerksamkeit und Reichweite, die selbst mit einem Millionenbudget nicht zu erreichen ist und einen starken Reputations-Gewinn.

Speziell zur Kampagne wurde eine Webseite gestartet, die humorvoll das Image poliert. Doppeldeutig spielt sie mit romantischen Fotos und dem Claim “Zu schön, um nicht wahr zu sein.” Selbst das Branchenblatt “Werben & Verkaufen” würdigt die clevere Image-Kampagne des Stadtmarketings.

Vier Jahre Vorlauf legen das Fundament

Bereits 2015 hat Bielefeld die Grundlage für diese erfolgreiche Kampagne gelegt und einen Markenprozess gestartet. Sehr lesenswert ist die Webseite der Stadt, die diesen Weg anschaulich beschreibt.

Um die Identität der Stadt modern zu visualisieren, wurden die Bürger zu einem Fotowettbewerb aufgerufen. Jeder konnte das neue Logo der Stadt kreativ adaptieren.

Clever auch hier: Die Motive der Bürger bieten genügend frischen Content für das virale Marketing auf Instagram und Facebook. Sie werden geteilt, geliked und kommentiert.

Der Schlussstein mit QR Code

In dieser Woche hat Bielefeld sein Ziel erreicht und die Campagne beendet. Wie erwartet, konnte kein Teilnehmer die “Nicht-Existenz” der Stadt schlüssig beweisen, obwohl es 2.000 Menschen versucht haben.

Achim Held und Martin Knabenreich vom Bielefeld Marketing

Mit großem Medien-Trara wurde vor zwei Tagen der “Schlussstein” eingeweiht – auch das eine witzige Idee der Kampagnen-Macher. Mit einem großen Findling wird künftig das Ende der “Bielefeld-Verschwörung” markiert.

Bielefeld hat erreicht, was es wollte: Einen großen Image-Gewinn, internationale Presse von “New York Times” bis “BBC” und ein neues Selbstbewusstsein der Bürger.

Dazu ein modernes Stadtmagazin, das alle Neugierigen in die Region einlädt, das echte Bielefeld jetzt an einem “schlauen Entdecker-Wochenende” zu erkunden.

Mein Best-Practice-Tipp:

Hören Sie als Selbständiger, als Unternehmer genau hin, was die Menschen über Sie sagen. Notieren Sie aufmerksam diese “Image-Faktoren”.

Haben Sie den Mut wie in Bielefeld den Spieß umzudrehen: Statt sich über das Gespött weiter aufzuregen präsentiert sich die Kommune als humorvoller Macher.

Durch die Kampagne wechseln sie eindrucksvoll von der Opfer- in die Heldenrolle. Damit stärken sie langfristig ihr Image als lebenswerte Stadt. Sie machen potentielle Touristen, Neubürger und Investoren neugierig, den Ort selbst zu erkunden.