Es gehört für mich zur Routine, einmal pro Monat die eigenen Webseiten und den Namen zu googeln und einen Reputations-Check zu machen: Welche neuen Spuren sind zu finden? Überrascht lese ich nach der Sommerpause einem neuen Wikipedia-Eintrag, den ein unbekannter Autor über mich verfasst hat.

Moment mal, darf er das überhaupt?

Die Statistik verwundert nicht: Die Wikipedia zählt zu den meist besuchten Seiten. Allein in den letzten vier Wochen gab es 37 Mio. Aufrufe. Während sie in der Wissensuche zu den primären Quellen zählt, gleicht das System dahinter eher einem “Buch mit sieben Siegeln”.

Selbst als Medienprofi, der hauptberuflich in Print, Radio und Fernsehen gearbeitet hat, muss ich zugeben, dass ich mich bislang noch nicht als Wikipedia-Autor betätigt habe.

Doch die Wiki-Grundregel kenne ich seit vielen Jahren: Eigen-PR ist unerwünscht. Über sich selbst einen Eintrag anzulegen widerspricht dem Geist der Wikipedia, weil die “Neutralität des Autors nicht gewahrt ist”.

Von daher empfehle ich meinen Kunden Geduld zu wahren: Irgendwann wird jede “Person des öffentlichen Lebens” entdeckt. Ob man will oder nicht. Wenn dieser Tag gekommen ist, werden Sie vermutlich genauso überrascht sein, wie ich in dieser Woche.

Welche Regeln gelten eigentlich?

Zu den Grundprinzipien der Wikipedia zählt Neutralität. Ein Thema soll so präsentiert werden, “dass sowohl deren Gegner als auch deren Befürworter die Darstellung tolerieren können.”

Was bei einem Sachthema mitunter schwierig sein kann, wird bei einem Personeneintrag umso wichtiger. Hier gilt die Prämisse: “Keine persönlichen Angriffe”.

Zudem müssen die Inhalte “relevant und nachprüfbar” sein. Konkret bedeutet das: Wenn Sie als Unternehmer in einem Printmedien interviewt werden, verfasst die Redaktion eine Kurzbiografie. Diese Angaben gelten dann im Sinne der Wikipedia als “relevante und nachprüfbare Quelle”.

Reputations-Check: Welche Quellen sind glaubwürdig?

Nun fragen Sie als “Betroffener” vielleicht zurecht: Warum wählt der Autor für meinen Wikipedia nicht meine eigene Biografie, die auf der Webseite veröffentlich ist? Klare Antwort: Aus Sicht des Autors sind die Angaben auf einer Nachrichtenseite wie Spiegel, ManagerMagazin oder ZDF glaubwürdiger als die Webseite des Unternehmers.

Bei jedem Wikipedia Eintrag können Sie am Ende lesen, welche Quellen der Autor genutzt hat. Unter “Einzelnachweise” werden bei mir neun Seiten angezeigt. darunter vier Nachrichtenmagazine und fünf Webeinträge.

Meine Empfehlung: Prüfen Sie regelmäßig in einem persönlichen Reputations-Check, was Medien und andere Webseiten über Sie gespeichert haben. Potentielle Kunden und auch Mitarbeiter suchen danach und sind neugierig, was andere Seiten über Sie berichten.

Was tun, wenn die Angaben nicht stimmen?

Mein Wikipedia-Eintrag ist nach meiner Einschätzung sehr gut geschrieben und stimmt bis auf ein kleines Detail im ersten Satz: “Rainer Wälde wurde als Sohn eines Postinspektors geboren”. Richtig muss es heißen als “Enkel eines Postinspektors.”

Doch in der zitierten Quelle, dem “Schwarzwälder Boten” hat die Autorin dieses Detail falsch notiert. Was tun? Soll ich die Tageszeitung anschreiben, einen sechs Jahre alten Artikel zu korrigieren?

Oder soll ich mich jetzt als Autor der Wikipedia selbst registrieren und den Fehler korrigieren? Ich entscheide mich, die Kommentarfunktion zu nutzen.

Was sagt die Rechtssprechung?

Spannende Frage zum Schluss: Kann ich mich dagegen wehren, in der Wikipedia zu erscheinen? Oder verlangen, dass mein Eintrag gelöscht wird? Hier unterscheidet die Rechtssprechung zwischen “Personen des öffentlichen Lebens” und “weniger bekannten Personen”.

Auf diesem Hintergrund habe ich als Buchautor und Filmemacher sicher keine Chance auf eine Löschung zu drängen und auch kein Interesse. Mit meinem Arbeiten bin ich in der Öffentlichkeit seit vielen Jahren präsent.

Gleichzeitig kann ich mich jedoch über (mögliche) Beleidigungen oder üble Nachrede aktiv wehren. Sowohl im analogen als auch digitalen Leben.

Ich persönlich empfinde es als eine “Würdigung”, dass sich ein Autor stundenlang Zeit nimmt, um einen Personeneintrag zu verfassen. Dass zudem die Fakten stimmen und der Artikel die oben genannte Neutralität und Quellenlage wahrt, schätze ich sehr.

Mein Best-Practice-Tipp

Überprüfen Sie monatlich in den Suchmaschinen, welche aktuellen Einträge unter Ihrem Personen und Firmennamen erscheinen. Dieser Reputations-Check hilft Ihnen bei der Online-Strategie.

Führen Sie selbst einen Pressespiegel, in dem alle relevanten Medienberichte über Sie gelistet sind – mit Links zu den Beiträgen.

Pflegen Sie regelmäßig Ihre unterschiedlichen Profilseiten und auch die Vita auf Ihrer eigenen Webseite. Damit gewinnen potentielle Kunden und auch Medien eine aktuelle Übersicht Ihrer Reputation.