Kriege, Inflation und Ärger an der Zapfsäule. Die Weltlage hinterlässt Spuren in unserem Nervensystem. Wer kurz innehält, spürt, wie stark der Druck auf unsere Psyche ist. Deshalb einige praktische Tipps, um der Endzeitstimmung aktiv zu entkommen.

Wieviel Nachrichten tun meiner Seele gut?

ARD Extra und ZDF Spezial – seit der Krieg im Nahen Osten eine neue Eskalationsstufe erreicht hat, steigt auch die Erregungswelle im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Eine Sondersendung nach der anderen.

Gebannt starre ich auf den Monitor und merke bei allem Interesse für die politische Weltlage, wie meine psychische Badewanne zunehmend voll läuft. Kürzlich hatte ich den inneren Schmerzpunkt erreicht und bin mitten in den heute Nachrichten aufgestanden und habe das Fernsehzimmer verlassen.

Der kritische Punkt: Ich habe gespürt, jeder weitere Bericht schadet meiner Seele. Doch das war noch nicht alles: In der selben Woche wurde mir auch das abendliche TV-Angebot an Krimis zu viel. Nein, schrie meine innere Stimme. Nicht noch mehr Tote!

Als Krimi-Autor fand ich das kurios. Doch genau dieser Doppel-Whopper meiner inneren Blockade hat mich ins Nachdenken gebracht.

Die inneren Antreiber erkennen

Was treibt mich innerlich an, im Live-Ticker das Kriegsgeschehen verfolgen zu wollen. Anteilnahme? Schaulust? Angst vor dem Untergang?

Natürlich habe ich als langjähriger Fernsehjournalist auch meine inneren Antreiber: Ich bin neugierig, was in der Welt vor sich geht. Interessiere mich für Politik, Wirtschaft und Soziologie. Aber muss ich mir deshalb die volle Dröhnung an News-Food geben, mehr als meine Seele aktuell verdauen kann?

Schnell kam ich zu einem klaren Nein. Gleichzeitig habe ich die Stress-Symptome meines Körpers beobachtet. Hoher Cortisol-Spiegel, innere Nervosität, Muskelzittern. Die psychosomatischen Marker schlugen Alarm und zwangen mich zum Innehalten.

Ich habe mich deshalb für ein mediales Fasten entschieden. Über Tage keine TV-Nachrichten, keine Online-Medien. Auch mein Tageszeitungs-Abo bleibt ungelesen, selbst in den sozialen Netzwerken gilt radikale Schonkost.

Wege aus der medialen Erschöpfung

Gleichzeitig habe ich die Chance genutzt und mir überlegt, wie ich neue Kraft tanken kann. Was meiner Seele wirklich gut tut. Dazu fünf Erfahrungs-Tipps aus den letzten Wochen.

1.Ehrlich sein und zugeben, dass die permanenten Negativ-Schlagzeilen meine Seele überfordern. Wolfgang Schmidbauer hat dazu das passende Buch geschrieben: “Raubbau an der Seele” und beschreibt eine überforderte Gesellschaft.

2.Aktiv Grenzen setzen, auch wenn dies für Arbeitskollegen und Freunde erst einmal wie das Bild der drei Affen wirkt: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Positiv ausgedrückt: Ich nehme den medialen Stress wahr und stehe für meine Bedürfnisse ein. Gesunde Selbstfürsorge nennen das Psychologen.

3.Ich habe meinen Aquarellkasten aus der Schublade geholt und ein kleines Skizzenbuch. Schnell habe ich gemerkt, wie gut dieses kreative Medium mir tut. Aquarell ist Entschleunigung pur. Die Lasuren müssen trocknen, das reduziert automatisch das Tempo und fördert das Innehalten. Es schafft neue Freiräume im Kopf und reduziert den seelischen Stress.

4.Durch die konstante Übermüdung des Gehirns brauche ich mehr Schlaf. Mir hilft ein Powernapp zwischendurch, um zu regenerieren. Meinen Kaffeekonsum habe ich auf zwei Tassen Espresso reduziert. Bei Bedarf gönne ich mir 10 Stunden Schlaf.

5.Weniger Medienkonsum heißt mehr Zeit für Bewegung. Seit einigen Wochen lerne ich neue Bewegungsformen mit der App eines Sportwissenschaftlers. Yogicmind bietet einen schönen Grundkurs und tägliche Übungen, die endschleunigen.

Sich von den Erwartungen frei machen

Die medialen Pausen tun meinem Gehirn, aber auch meinem seelischen Wohlbefinden derzeit sehr gut. Ich lerne zudem, mich von meinem eigenen Erwartungen frei zu machen.

Nein, ich muss nicht in Echtzeit das Weltgeschehen verfolgen. Auch nicht als Journalist.

Durch das Nachrichten-Fasten habe ich mehr freie Zeit, um mich kreativ aufzuladen. Und es gibt Szenen wie bei Loriot: Manchmal sitze einfach nur da und schaue aus dem Fenster.