Sind Sie enttäuscht, dass auf Ihre Pressemeldung niemand reagiert? Obwohl Sie mit großem Enthusiasmus einen Mail-Verteiler aufgebaut haben. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen eine alternative Strategie auf, mit der Sie deutlich mehr Response gewinnen können.

Journalisten
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Insider-Blick ins Medienbusiness

Seit 1985 bin ich hauptberuflich für unterschiedliche Medien aktiv. Über die Jahre habe ich unzählige Pressemeldung erhalten und als Medien-Coach selbst hunderte von Meldungen verfasst.

Gerade bei kleinen Unternehmen ist es meist ein großer Kraftakt, bis eine Pressemeldung verfasst ist. Das passiert nach meiner Erfahrung ein bis zwei Mal im Jahr, wenn der Chef oder der Vertriebsleiter das Gefühl haben, man müsste mal was tun, um in die Tageszeitung zu kommen.

Auslöser ist häufig der Ärger über einen Mitbewerber, der scheinbar ständig in den Medien auftaucht, während das eigene Unternehmer ungesehen im Schatten bleibt. Dann wird ein Mitarbeiter beauftragt, nebenbei mal eine Meldung zu schreiben. Mit mäßigem oder gar keinem Erfolg.

Verschicken Sie nie ungefragt eine Pressemeldung

Das Kernproblem: Die Medien warten nicht auf eine Pressemeldung. Damit werden täglich die Mailadressen geflutet. Nach meiner Beobachtung fehlt die Zeit, um in einer ohnehin schwach besetzten Redaktion die ganzen Pressemeldung zu sichten.

Meist wird nur schnell gescannt: Wer schreibt uns da? Ist es ein Politiker? Eine wichtige Firma? Der Pressesprecher der Polizei? In Sekundenbruchteilen werden die Absender und Betreffzeilen in Wichtig und Unwichtig unterteilt. Glauben Sie bitte nicht, dass jemand bei hunderten von Mails gründlich den Inhalt prüft.

Deshalb mein wichtigster Tipp: Verschicken Sie nie ungefragt eine Pressemeldung. Es ist sinnlos. Sie vergeuden damit nur Ihre Lebenszeit und Ihre unternehmerische Energie.

Gefragt ist Maßkonfektion

Journalisten sind wählerisch, sie wollen umworben werden. Ein Thema muss sie überzeugen. Natürlich gibt es MUSS-Themen. Bei uns in Nordhessen wird an diesem Samstag ein Festakt gefeiert: 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Homberger Synode.

Alles, was politisch und gesellschaftlich Rang und Namen hat, wird vor Ort sein, vermutlich auch der Ministerpräsident. Das ist ein MUSS-Thema für das HR-Fernsehen und die Abendnachrichten, für Radio und Tageszeitung, die alle ihre Journalisten schicken. Sicher werden auch die Presseagenturen am Samstag alle Medien in Deutschland über das Event informieren.

Im Kontrast zu diesen MUSS-Themen ist der Wunsch eines mittelständischen Unternehmens nach medialer Aufmerksamkeit ein NICE-TO-HAVE. Damit es klappt braucht es für jede Firma, jedes Projekt keine Pressemeldung, sondern Maßkonfektion.

Konkret: Ich muss mir einen Stoff aussuchen und einen Schnitt, der für genau auf das jeweilige Medium zugeschnitten ist.

Exakte Recherche der richtigen Redaktion

Im ersten Schritt muss ich mir überlegen: Was ist der mediale Aufhänger? Was ist der Kern meiner Geschichte? Worüber soll überhaupt berichtet werden? Im zweiten Schritt geht es um das Interesse der Empfänger: Was ist von öffentlichem Interesse?

Im dritten Schritt geht es um das passende Medium: Hat das Thema eine überregionale oder eine lokale Bedeutung? Je nachdem überlege ich mir, ob ich die Tageszeitung oder ein anderes Medien ansprechen will.

Danach mache ich mich auf die Suche nach der richtigen Redaktion. Mein Tipp: Wenn Sie in bestimmtes Medium wollen, sollten Sie sich zumindest eine Ausgabe der Zeitung kaufen oder eine Folge der Sendung aufmerksam anschauen.

Der Journalist, den Sie kontaktieren, spürt sehr schnell ob Sie das Medium, das Sendungsformat kennen oder nicht. Das ist in der Regel “sein Baby”, mit dem er sich die ganze Woche beschäftigt. Von daher sollten Sie auch das Medium kennen, bevor Sie ihm ein Thema anbieten.

Rufen Sie an und fragen Sie nach

Der wichtigste Tipp, bevor Sie auch nur eine einzige Zeile Ihrer Pressemeldung tippen: Rufen Sie an und fragen Sie nach, ob an dem maßgeschneiderten Themen-Angebot überhaupt Interesse besteht.

Journalisten sind täglich auf der Suche nach neuem Stoff, guten Geschichten, spannenden Projekten. Überzeugen Sie am Telefon. In der Regel müssen Sie gar nicht selbst schreiben, sondern nur erzählen. Die Berichterstattung ist sein Job.

Abschließend noch eine praktischer Tipp: Jeden Monat gibt es öffentliche Gedenk- und Aktionstage die man auch online abrufen kann. Sie sind mitunter auch Anlass für die Medien, einen Akteur vor Ort zu suchen. Schauen Sie mal die Tage durch, vielleicht ist auch ein passender Aktionstag dabei, der zu Ihrem Thema passt.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei Ihrer aktiven Pressearbeit