Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Nach meiner Ansicht zählt auch die persönliche Aufmerksamkeit zu den wichtigsten Kennzeichen eines erfolgreichen Unternehmers. In der gelebten Firmenkultur sind es die kleinen Signale, die zählen.

Firmenkultur

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Emotionale Momente setzen wertvolle Marker

Marlies Nussbaumer ist eine kluge Frau. Ich kenne die stellvertretende Direktorin der Schweizer Hotelfachschule Belvoirpark bereits seit drei Jahren. Doch in der letzten Woche hat sie mich bei einem Seminar, das ich für ihre leitenden Mitarbeiter gehalten habe, erneut überrascht: “Ich empfehle Hoteliers schon seit Jahren, dem Taxifahrer, der einen Gast abholt, einen kostenlosen Espresso anzubieten!”

Überraschte Blicke in der Runde. Dann führt Marlies Nussbaumer ihre Rede fort: “Was glauben Sie, an welches Hotel in der Stadt wird sich der Taxifahrer als erstes erinnern, wenn ihn ein neuer Gast nach einer Hotel-Empfehlung fragt? Ganz klar: An das Haus, in dem er selbst Gastfreundschaft erlebt hat!”

Welche Firmenkultur leben Sie in Ihrem Unternehmen?

Nach meiner Beobachtung ist es nicht das imposanten Firmengebäude, das hochglanzpolierte Luxusauto oder der teure Maßanzug, die den Erfolg ausmachen. Es sind vielmehr die kleinen Symbole, die den Unterschied prägen. Für mich beginnt dies bereits beim Betreten eines Unternehmens: Der erste Eindruck bleibt häufig haften.

“Herzlich Willkommen, Herr Rainer Wälde”, lese ich beim Betreten der Firma “Kopp Schleiftechnik” im hessischen Odenwald und fühle mich direkt wertgeschätzt. Als zweites fällt mir die angenehme Musik auf und der Parkettboden in der Produktionshalle auf. Das überrascht mich in einer Werkzeugschleiferei und setzt bei mir als Besucher einen weiteren positiven Marker.

Für mich liegt es am Chef, ob das Unternehmen eine Firmenkultur der Wertschätzung oder der Armut lebt. Beide Formen habe ich in den letzen 30 Jahren in zahlreichen Betrieben erlebt.

Schäbige Teppiche und muffige Räume

In den letzten Wochen war ich mit meiner Frau in zwei Notariaten, beide in Hessen und doch so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten: Der erste Notar begrüßte uns in seinem geschmackvoll eingerichteten Besprechungszimmer, bot Wasser und Kaffee an. An der Wand einige Kunstwerke, aufgeräumte Regale, wenige Broschüren. Das ganze Interieur atmete eine Ordnung und Klarheit und drückte gleichzeitig eine angenehme Gastfreundschaft aus.

Notar zwei: Enges Wartezimmer mit zu vielen Stühlen, im Sitzen konnte man fast das Knie des Gegenübers berühren. Dann der Gang über einen muffigen Flur, alte Teppiche, kein Besprechungszimmer, kein Wasser, kein Kaffee. Stattdessen saßen wir auf den klassischen Besucherstühlchen vor einem großen hölzernen Chefschreibtisch. Hinter dem Notar stapelten sich meterhohe Aktenberge.

Welchen der beiden Notare werde ich weiterempfehlen? Ganz klar: Die Nummer eins, der eine Kultur der Wertschätzung lebt. Beim seinem Kollegen atmete ich erst wieder auf, als wir wieder auf die Straße treten: Bloß raus hier!

Feedback-Kultur sorgt für frischen Wind

In erfolgreichen Unternehmern beobachte ich immer wieder, dass sie eine aktive Feedback-Kultur leben: Auf die banale Frage der Gastgeber “Wie war Ihre Anreise?” kommen mitunter eine ganze Reihe von wertvollen Beobachtungen der Besucher. Aufmerksame Chefs registrieren diese Rückmeldungen und geben sie als Verbesserungsvorschläge auch an ihre Mitarbeiter weiter.

In dieser Woche haben wir das neue Gästehaus im Gutshof eröffnet. Nach 12 Monaten Bauzeit sind meine Frau und ich sehr gespannt, wie die ersten Besucher hier schlafen und fragen jeden Gast nach seinen Eindrücken. Natürlich wollen wir wissen, was wir in den nächsten Wochen noch optimieren und verbessern können?