Knigge Du oder Sie? So agieren Sie souverän als Chef

Das Handelsblatt bittet mich als Knigge-Experten um ein Interview: Ist die Hemmschwelle von Chefs niedriger, wenn sie ihre Mitarbeiter duzen? Die Anfrage ist für mich ein guter Anlass, die wichtigsten Fragen zum Knigge Du oder Sie zu beantworten.

Knigge Du oder Sie? Foto: shutterstock

Business Knigge: Wer bietet das Du an?

Im beruflichen Alltag gibt es eine klare Knigge-Regel: „Der Ranghöhere bietet das Du an“. Ganz praktisch: Der Chef bietet dem Mitarbeiter das Du an, oder der Kunde dem Dienstleister.

Meine Empfehlung: Unterscheiden Sie ganz deutlich zwischen privatem und beruflichen Umfeld. Die Etikette-Regel: Die Dame bietet dem Herrn das Du an, gilt im Businessbereich NICHT. Auch die zweite Regel: „Der Ältere bietet dem Jüngeren das Du an“, ist nur noch im privaten Bereich relevant.

Nun zur Frage, die sich viele Chefs stellen: Muss ich jedem Mitarbeiter das „Du“ anbieten? Von meiner Seite aus dazu ein klares Nein. Ich persönlich habe den Eindruck, dass die sozialen Netzwerke einen subtilen Druck aufgebaut haben.

Ist Nähe immer besser als Distanz?

Wer bei Facebook & Co. mit wildfremden Menschen automatisch per Du ist, glaubt mitunter, diese würde nun auch in der Businesswelt gelten. Doch dies ist in unserer deutschsprachigen Kultur ein gravierender Irrtum. Nach meiner Beobachtung wird das „Sie“ häufig mit Respekt und Wertschätzung verbunden. Im Umkehrschluss: Wer plump duzt, gilt oft als respektlos.

Aus diesem Grund empfehle ich in meinen Knigge-Seminaren bei geschäftlichen Kontakten in den sozialen Netzwerken beim formellen „Sie“ zu bleiben. Diese Empfehlung gilt auch in der analogen Welt: Üben Sie als Mitarbeiter und auch als Dienstleister Zurückhaltung, wenn es um ein schnelles Du geht.

Gerade bei geschäftlichen Verhandlungen und kritischen Gesprächen ist eine formelle Distanz – auch in der Anrede – häufig einfacher und erleichtert die Kommunikation.

Frau Müller – kannste mal?

Im geschäftlichen Bereich beobachte ich immer wieder Situationen, in denen Mitarbeiter und Vorgesetzte, die im Alltag per Du sind, vor dem Kunden so tun, als wären sie mit „Sie“ unterwegs. In der Praxis gibt es dann wunderschöne Versprecher wie „Frau Müller – kannste mal…“

In diesen Momenten fällt die Fassade, als Kunde fühle ich mich wie auf einer Bühne. Meine Empfehlung: Bitte spielen Sie vor dem Kunden kein Theater. Wenn Sie im Alltag per Du sind, dann auch vor dem Kunden.

Achten Sie beim Vorstellen darauf, dass Sie dem Besucher Ihren Kollegen mit Vor und Nachnamen vorstellen, damit er diesen korrekt ansprechen kann.

Du-Ansprache bei Stellenanzeigen

Die Tageszeitung „Die Welt“ hat kürzlich analysiert, dass es bei Stellenanzeigen ein regelrechtes „Du-Sie-Chaos“ gibt. Beispiel VW. Auf der Homepage formuliert der Konzern: „Gewinnen Sie einen Eindruck – mit einem Schülerpraktikum bei Volkswagen“.

Bei Facebook dagegen duzt der Autobauer konsequent selbst Berufserfahrene: Du bist ein echtes Verkaufstalent? Dann bewirb Dich bei Volkswagen.“

Laut „Die Welt“ wird dieses Du-Sie-Chaos auch von der Allianz, E.ON, der Lufthansa und Daimler praktiziert. Kein Wunder, dass sich kleine Mittelständler an die Stirn greifen und fragen, wie sie souverän bei der Bewerbersuche vorgehen sollen.

Meine Empfehlung als Knigge-Experte: Lassen Sie sich vom kommunikativen Wirrwarr der Konzerne nicht in die Irre führen. Bleiben Sie in der Ansprache beim stilvollen „Sie“, das auch Ihren Bewerbern vom ersten Moment Ihre Wertschätzung ausdrückt.

Wählen Sie eine klare Strategie

Warum sollten Sie in einer digitalen Anzeige den Bewerber duzen und dann im Schriftverkehr und dem Vorstellungsgespräch siezen? Das wirkt weder authentisch noch echt.

Fangen Sie nicht an, sich mit einem plumpen Du bei Ihrer Zielgruppe anzubiedern. Setzen Sie stattdessen auf kommunikative Klarheit: Digital und analog ein respektvolles „Sie“.

Für mich gilt dies auch nach der Einstellung: Meine Frau und ich haben uns auch in der Gutshof Akademie dafür entschieden, während der Probezeit mit allen Mitarbeitern beim wertschätzenden „Sie“ zu bleiben. Erst danach bieten wir persönlich als Vorgesetzte das „Du“ an.

Mit dieser klaren Strategie haben wir in den letzten 18 Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch in den seltenen Einzelfällen, wenn wir in der Probezeit festgestellt haben, dass Mitarbeiter und Aufgabe nicht zusammenpassen und wir uns wieder getrennt haben.

Du oder Sie – welche Erfahrungen machen Sie?

Nun bin ich gespannt auf Ihre Erfahrungen und freue mich auf Ihren Kommentar…




Kommentare

Rolf Kniffki says

In der Schule:
Üblicherweise duzen die Lehrer bis zur 10. Klasse, werden selbst aber gesiezt. Kleine Schüler bekommen diesen Unterschied oft nicht hin, aber auch bei den großen ist es dann ein amüsanter Sympathie -Durchbruch, wenn es " Herr Maier, kannst du mal die Tafel hoch-schieben" heißt....

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