Nutzen Sie die Meisterjahre: Wenn nicht jetzt wann dann?

„Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für Dinge, die du immer wolltest. Tu sie jetzt.“ Dieses Zitat von Paulo Coelho rüttelt mich als 57jährigen auf, meine Meisterjahre aktiv zu nutzen und in meinem Alltag als Führungskraft bewußt das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.

Meisterjahre nutzen

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Was wirklich zählt

Der wichtigste „Denkzettel“ meines Lebens liegt genau 20 Jahre zurück: Im Oktober starb meine erste Frau Bettina mit 37 Jahren an Krebs. Dieses Erlebnis hat mich in den Grundfesten erschüttert. Am Tiefpunkt meines Lebens stand ich vor zwei zentralen Fragen: Wie willst Du in Zukunft weiterleben? Was zählt im Leben wirklich?

Mir wurde bewusst, das am Ende nicht Karriere und Geld zählen, sondern mit welcher Liebe und Intension ich meine Beziehungen gelebt habe. Auf diesem Hintergrund habe ich mit 37 Jahren eine gravierende Entscheidung getroffen: Beziehungen zuerst! Gott sei Dank habe ich mit 40 Jahren noch einmal eine wunderbare Frau geheiratet.

Mit Ilona plane ich seit 18 Jahren, welche Beziehungen wir pflegen wollen, wieviel Zeit wir mit unserer Familie, mit Freunden, mit Mitarbeitern verbringen. Damit es in unserem vollen Terminkalender auch klappt, planen wir diese Beziehungszeiten bereits Monate im Voraus.

Auf das Wesentliche fokussieren

Seit ich 50 Jahre alt bin, ist mir bewusst, dass eine besonders kostbare Lebensphase angebrochen ist. Udo Jürgens soll gesagt haben: „Ab 50 rieseln Goldkörner durch die Sanduhr“. Diese Meisterjahre zwischen 50 und 65 Jahre bieten für mich große Chancen: Ich muss niemand mehr beweisen, was ich kann. Auch mir selbst nicht.

Die eigene Karriere hat an Bedeutung verloren, jetzt geht es darum, dass ich mich auf das Wesentliche fokussiere und auf die entscheidenden Fragen meines Lebens eine Antwort habe: Was ist meine Berufung? Welche Erfahrungen meines Lebens möchte ich an die kommenden Generationen weitergeben?

Mich bewegt dabei das Zitat: „Bedenkt, dass ihr sterben müsst, auf das ihr klug werdet!“ Meine Endlichkeit erinnert mich daran, meine Zeit nicht zu verplempern und mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.

Die Lebensziele schriftlich formulieren

Im Dezember habe ich meine 10 wichtigsten Lebensziele für die kommenden Jahre aufgeschrieben und diese Punkte auch mit meiner Frau besprochen. Auf Platz 2 steht: Ich möchte jungen Kreativen helfen, ihren Weg in die Medien zu finden und sich erfolgreich selbständig zu machen.

Das kann ich nicht alleine, deshalb habe ich im Frühjahr Kollegen aus dem Medienbereich eingeladen und gemeinsam überlegt, wie dies aussehen könnte? Im kommenden Jahr möchte ich gerne die ersten konkreten Angebote initieren und bin sehr gespannt, wie sie angenommen werden.

Ausstieg aus dem Hamsterrad

Vor vier Wochen habe ich einen Blogbeitrag über Entschleunigung geschrieben: Ich glaube, dass dies eine große Sehnsucht von vielen Führungskräften ist. Mit meiner Frau überlege ich sehr intensiv, wie wir mit Auszeiten auf dem Gutshof dazu ein konkretes Angebot machen können.

Der „Ausstieg aus dem Hamsterrad“ ist für mich gleichzeitig ein erster Schritt für einen bevorstehenden Ausstieg aus dem Beruf. Ich bin überzeugt, dass ein Selbstständiger bereits mit Mitte 50 aktiv überlegen sollte, wie er die Zeit danach gestalten möchte. Nach meiner Beobachtung braucht es dafür eine konkrete Strategie.

In den letzten Jahren habe ich etliche Paare erlebt, die keinen Plan für ihren Ruhestand haben. Unvergesslich sind mir zwei Steuerberater, die ich auf einem Kreuzfahrtschiff getroffen habe: Bereits mit Mitte 50 hatten sie ihre „Schäfchen im Trockenen“, die Kanzlei verkauft und langweilten sich nun mit Cocktails an der Reling.

Für manche mag dies ein Ideal sein, für einige Wochen ist das sicherlich auch erfüllend. Doch wenn ich mir vorstelle: Ab 60 nur noch planlos um die Welt zu schippern. Diese Vorstellung ist für mich kein motivierendes Zielfoto für ein erfülltes Leben.

Die Sehnsucht nach Sinnstiftern

Meine Frau und ich sind überzeugt: Wir brauchen in Deutschland mehr Leuchttürme. Damit meinen wir Führungskräfte, die Orientierung bieten. Menschen mit einer klaren Positionierung, mit Lebenserfahrung und einem wachen Verstand.

In einer Welt die sich immer schneller verändert und gesellschaftlich sehr viel im Umbruch ist, sind Sinnstifter gefragt: Persönlichkeiten, die über den Tellerrand sehen. Führungskräfte, die nicht primär ihren eigenen Vorteil im Blick haben, sondern das Gemeinwohl erkennen und auch fördern.

Für diese Sinnstifter wollen wir im Gutshof da sein, sie auf ihrem Lebensweg unterstützen: Ihnen aktiv zuhören, gemeinsam Strategien entwickeln und sie ermutigen, ihrer Berufung treu zu bleiben.

Lebensfreude, die ansteckt

Zum Schluss noch eine persönliche Bemerkung zu Ihren Meisterjahren: Vergessen Sie angesichts der tickenden Lebensuhr nicht den Spaß! In der letzten Woche habe ich davon erzählt, wie ich persönlich Feste und Erfolge feiere. Der Spaß am Leben – auch am Alltag – sollte bei allem Planen nicht verloren gehen.

Ich bin ganz glücklich, dass wir im Gutshof nun regelmäßig Hauskonzerte haben: Allein in den letzten drei Wochen waren zwei Spitzenmusiker zu Gast: Ein wundervoller Jazz-Gitarist und ein Countrysänger aus Kanada. Nachbarn aus dem Dorf und Freunde der Gutshof-Bewohner waren da. Alle hatten richtig Spaß, dazu leckeres Essen und guten Wein.

Warum laden Sie in Ihrem Freundeskreis nicht auch einmal einen jungen Musiker ein, der bei Ihnen ein Wohnzimmerkonzert macht? Zum Schluss geht der Hut reihum und jeder wirft für die junge Künstlerin oder den Künstler etwas hinein.

Nach meiner Beobachtung sind es die kleinen Dinge, die unseren Alltag unterbrechen und neue Vitalität und Lebensfreude schenken. Wenn nicht jetzt, wann dann?




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