Starke Personenmarke: 100 Jahre Helmut Schmidt

Am 23. Dezember 2018 wäre Helmut Schmidt 100 Jahre alt geworden. Auch drei Jahre nach seinem Tod ist er bis heute eine starke Personenmarke, die in der Öffentlichkeit und den Medien ein hohes Ansehen genießt. Was steckt hinter der Marke Helmut Schmidt?

Starke Personenmarke

Sicherheitskonferenz am 01.02.2014 in München. Foto: Tobias Kleinschmidt

Ein Bild von einem Mann

In der aktuellen Ausgabe 42 widmet „Die Zeit“ ihrem langjährigen Herausgeber eine Titelgeschichte und stellt selbstkritisch fest: „Die Hauptrolle bei dessen Seligsprechung“ spielte 30 Jahre das Wochenmagazin aus Hamburg.

Sein Mythos beginnt 1962 bei der Sturmflut in der Hansestadt: Helmut Schmidt ist damals Innensenator und zeigt sich in der Öffentlichkeit als kraftvoller Herkules, der das Chaos beseitigt. Wie der Historiker Stubbe da Luz in seiner Quellenforschung herausfand, war die Leistung Schmidt weniger glorios, als bislang angenommen.

Als Schmidt am Morgen des 17. Februars in der Behörde eintraf, „sei die Organisation der Menschenrettung schon gelaufen gewesen. Schmidt war keineswegs der Held, als der er seither gefeiert wird, das sei ein Märchen“, so Stubbe da Luz.

Auch der Pilot, der Schmidt später im Hubschrauber über Hamburg flog, um sich einen Überblick zu verschaffen, äußerte sich laut „Die Zeit“ kritisch: „Katastophentourismus – ein Akt der Symbolpolitik“. In jedem Fall die „Geburtsstunde des Krisenmanagers Schmidt“, so die Hamburger Wochenzeitung.

Starke Personenmarke dank eindrücklicher Bilder

In einer Zeit der starken Umbrüche verkörpert Helmut Schmidt auch zum 100. Geburtstag eine starke Personenmarke. Bis zu seinem Tod 2015 habe er selber an seinem Denkmal gearbeitet – betont „Die Zeit“ und berichtet, wie er sich noch im hohen Alter als „Staatsschauspieler in Szene“ setzte.

Von Anfang an nutzte Helmut Schmidt die Macht der Bilder: 1971 ließ er sich vor Fernsehkameras und Fotografen an einer Seilwinde in einem Hubschrauber ziehen. Dabei entstanden ikonographische Aufnahmen, die sein Image als mutiger Politiker förderten.

Der langjährige Fernsehmoderator Friedrich Nowottny bemerkte: „Keiner habe öffentlich so schön so schwer an der Last des Amtes getragen wie er.“

Schmidt redete wie ein Schauspieler

Meine erste (indirekte) Begegnung mit Helmut Schmidt hatte ich selbst vor 30 Jahren in einem Fernsehtraining von „Studio Hamburg“. Zwei Tage lang wurde ich als Moderator vor der Kamera gecoacht: „Was mache ich, wenn in einer Livesendung ein Scheinwerfer von der Decke fällt?“ und viele andere Praxisbeispiele.

Im Training spielte auch Helmut Schmidt eine amüsante Rolle: Der Ausbilder von Studio Hamburg berichtete, wie der Staatsmann in Talkshows die Aufmerksamkeit auf sich zog. War Schmidt in einer Gesprächsrunde für wenige Minuten selbst nicht im Mittelpunkt – so der Trainer – zog er eine kleine Schnupftabakdose aus dem Jackett. Er wusste genau, dass die Kameraleute und auch die Regie sofort das Signal registrierten und den Altkanzler umgehend in Szene setzten. Auch als schweigender Zuhörer gelang es ihm so, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Schmidt behauptete selbst, nie ein Sprechtraining oder eine Imageberatung genutzt zu haben. Doch in der Praxis wusste er genau, wie er als „Staatsschauspieler“ die Betonungen und auch die Pausen zu setzen hatte.

Der König darf das

Unvergessen ist der Bericht aus einem ICE von Hamburg nach Berlin im September 2012: Helmut Schmidt ist auf der Heimfahrt von einer Talkshow und zündet sich gedankenverloren eine Zigarette an. Der Mitreisende Matthias Nass berichtet: „Einen Aschenbecher gibt es nicht, nur ein halb volles Cola-Glas. Die Schaffnerin, die gerade vorbei geht, lächelt: Mich stört das nicht, der König darf das.“

Doch „Schmidt Schnauze“ wie er in der Öffentlichkeit mitunter auch genannt wurde, hatte sein Image trotz kantiger Worte bis zu seinem Tod im Griff. Selbst seine Beerdigung hat er geplant – bereits 10 Jahre im Voraus – und die Kirchenlieder ausgewählt.

Ein Meister des Understatements

Klartext sprechen, wenn es sein muss auch knapp und sachlich – das zählt zu einer starken Personenmarke wie Helmut Schmidt. „Schmidt gefiel dadurch, dass er behauptete, niemandem gefallen zu wollen“, berichtete einmal der Fotograf Josef Darchinger.

Zur Heldensaga zählte auch das Reihenhaus, in dem er zwischen „Busfahrern und Krankenschwestern“ lebte, wie „Die Zeit“ berichtet: Könige und Staatschefs „nehmen Platz auf dem kleinen roten Ledersofa in Hamburg-Langenhorn. Hohen Gästen werden Rouladen vorgesetzt oder Bratkartoffeln mit Roastbeef.“

Es scheint als wollte Schmidt der Bevölkerung zeigen: Seht her, ich bin einer wie ihr!

Mein Best-Practice-Tipp

  • Haben Sie den Mut zu Marotten: Schmidt rauchte bis ins Grab, das war sein Lebensstil und Teil der Inszenierung. Mit extravaganten Details können Sie auch für nachhaltige Erinnerung sorgen, zum Beispiel bei Ihrer Garderobe.
  • Nutzen Sie die sozialen Medien, um potentielle Mitarbeiter und Kunden einen Blick hinter die Kulissen Ihres Unternehmens zu bieten, damit bauen Sie eine dauerhafte Brücke des Vertrauens auf.
  • Arbeiten Sie mit starken Fotos aus Ihrem Alltag, die Symbolkraft besitzen. Erzählen Sie Ihre besten „Heldengeschichten“ zum Beispiel in einem Blog. Auch das gehört zu einer starken Personenmarke.



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