Visual Storytelling: Wie Sie Instagram und YouTube für Ihr Unternehmen nutzen

„Dann mache ich halt auch noch ein Video!“ Fast trotzig klingt dieser Ausspruch, wenn ich mit Selbständigen und Unternehmern über Social Media spreche. Ich merke schon am Tonfall, richtig überzeugt ist er nicht. Dabei steckt im „Visual Storytelling“ so eine kraftvolle Energie, die Sie unbedingt für Ihr Unternehmen nutzen sollten.

Ein Kanal macht noch keine Geschichte

Das Thema Storytelling ist in aller Munde: Agenturen bangen um ihre Kunden und werben mit dieser neuen Wunder-Formel. Auch die sozialen Netzwerke bieten scheinbar mühelos „Instagram Stories“ und „Facebook Stories“ an. Doch häufig bieten sie nur dünne Luft, die Substanz fehlt.

Als Berater, der sich ganz auf Unternehmer-Marken spezialisiert hat, suche ich zuerst nach einem roten Faden. Wer Geschichten erzählen will, braucht einen Hauptstrang: Wer ist der Held der Geschichte und was kann er erzählen?

Gerade in einer professionellen Unternehmens-Kommunikation sollten die Inhalte klar definiert sein, bevor es um den passenden Kanal geht. Doch in der Realität wird schnell mal ein Handy hochgehalten und ein Filmchen gedreht, ohne zu wissen, welche Geschichte erzählt wird.

Was ist Visual Storytelling?

Wie beim traditionellen Erzählen geht es um starke Erlebnisse und um Emotionen. Doch als Stilmittel werden primär Fotos oder Filmaufnahmen eingesetzt. Instagram und YouTube funktionieren nur mit Bildern.

Am Montag hat Boris Thomas, Chef von Lattoflex ein neues Video veröffentlicht, das parallel bei Facebook, YouTube und der Startseite des Unternehmens läuft: „Das Besondere ist der Mensch“.

In seinem Kommentar schreibt er dazu: „Die Zeit ist reif für klare Botschaften. Ein Plädoyer für die Einzigartigkeit eines jeden Menschen. Und ein klares Signal dagegen, Menschen in ein Schema pressen zu wollen.“

Das Video selbst ist eine Minute lang und durch die Portraitaufnahmen emotional sehr stark. Zudem spricht der Chef selbst und gibt damit ein klares Bekenntnis zu den Werten des Unternehmens.

Spannend finde ich folgenden Kommentar: „Ein so mitreißender berührender Film. Authentisch und einfach nur schön. Danke, dass ich Teil der Lattoflex Familie sein darf.“ Ganz offensichtlich wirkt dieser Film auch identitätsstiftend. Er signalisiert den Mitarbeitern und Vertriebspartnern Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Visual Storytelling heißt in Serien zu denken

Zurück zum Anfang: „Dann mache ich halt auch noch ein Video!“ Bitte lassen Sie sich von diesem aktuellen Beispiel nicht zu einem Schnellschuß verleiten. Denken Sie stattdessen immer in Serien. Es macht überhaupt keinen Sinn mit einem einzigen Foto, einem einzigen Film einen Kanal zu starten.

Viel wichtiger ist, bereits vor der Produktion an mögliche Fortsetzungen zu denken. Jeder Verlag, der heute einen neuen Autor aufbaut, fragt sich schon vor dem Debüt, wie die Reihe weitergeht. Netflix und Co. denken nur in Staffeln, die mindestens vier oder acht Folgen umfassen.

Lernen Sie von diesen Vorbildern für Ihr eigenes Unternehmen: Ob eigener Blog, Facebook, Instagram oder YouTube – entwicklen Sie vor dem Start unbedingt einen klaren Redaktionsplan.

Wie geht die Geschichte weiter?

Unser Leben besteht aus einer ständigen Folge von Einzelgeschichten: Wer einmal Feuer gefangen hat und Interesse für ein Unternehmen oder ein Produkt spürt, will wissen, wie die Geschichte weitergeht. Dieses Prinzip sollten Sie auch beim Visual Storytelling berücksichtigen. Dazu ein persönliches Beispiel:

Als meine Frau Ilona und ich vor sieben Jahren mit der Suche nach einem neuen Seminarzentrum angefangen haben, trafen wir eine wichtige Entscheidung: Wir beteiligen unsere Kunden! Im Herbst 2011 haben wir mit „Authentisch leben“ ein Kundenmagazin gestartet, in dem wir im Storytelling und auch der Bildauswahl aktiv auf das Projekt hingeführt haben.

Nach fünf Jahren und 20 Ausgaben, in denen wir auch das Auf und Ab unserer Suche beschrieben haben, gab es dann ein Sonderheft, in dem wir ausführlich unsere neue Heimat vorstellen: Dazu die Titelgeschichte „Endlich angekommen“.

Mittlerweile leben wir bereits eineinhalb Jahre in Nordhessen und erzählen die Geschichte laufend weiter. Rund 10.000 Menschen lesen unser Kundenmagazin, die neue Ausgabe 28 ist gestern aus der Druckerei gekommen.

Achten Sie auf eine klare Bildsprache

Zum Visual Storytelling gehört eine klare Bildsprache, die Sie als Selbständiger und Unternehmer unbedingt einhalten sollten. Der rote Faden wird nicht nur in einer Serie von kleinen Geschichten deutlich, sondern auch in der Klarheit der Auswahl.

Gerade bei Instagram, das seit Juni 2018 von einer Milliarde Menschen genutzt wird, ist dies schnell sichtbar. Alle einflussreichen Kanäle, die viele Menschen erreichen, habe einen bestimmten Look und ein klares Konzept.

Nun hat kaum ein Mittelständler die Zeit und auch die Mittel, um sich ständig Gedanken zu machen, welche Bildgeschichten er postet. Mein Tipp: Buchen Sie einen Profi, der speziell für Ihr Unternehmen diese Bilder produziert.

Als Gutshof Akademie haben wir für einen Tag Jonathan Linker gebucht, der sich auf dieses Thema spezialisiert hat. In wenigen Stunden hat er mit den Mitarbeitern hunderte von Fotos aus ihrem Alltag geschossen, aus denen ich nun unseren Instagram-Kanal ein Jahr lang füttere.

Das positive Ergebnis: Im letzten Halbjahr ist der Kanal von Null auf 1.063 Abonnenten gewachsen – deutlich mehr als unser Facebook-Account. Durch das „Visual Storytelling“ haben wir neue Kunden erschlossen, die auch nach ihrem Besuch über weitere Bildgeschichten mit uns emotional in Verbindung bleiben.

 

 




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