Ein Journalist ruft in Ihrem Unternehmen an und kündigt einen Pressebesuch an. Für manchen Selbständigen ist das ungewohntes Terrain. Wollen wir das überhaupt? Kostenlose Berichterstattung sicherlich. Aber was passiert, wenn der Pressebesuch nicht gelingt?

Pressebesuch in Krauchenwies
Lassen Sie mich mit einem kurzen Erfahrungsbericht starten: Vor zwei Wochen war ich in Krauchenwies. Eine kleine Gemeinde mit 5.000 Einwohnern im Landkreis Sigmaringen. Als Journalist wollte ich gerne einen Globus-Produzenten besuchen und ein kurzweiliges Firmenportrait schreiben.
Durch Zufall hatte ich im Frühjahr davon gelesen. Zwei Brüder, die vor 115 Jahren damit begannen Globen von Hand zu fertigen. Die Geschichte von der ältesten Globenmanufaktur der Welt fand ich spannend für einen Blogbeitrag.
Ein Freund aus der Region rief am Tag zuvor im Unternehmen an, kündigt mich als Journalist an und erkundigte sich, ob wir eine Betriebsbesichtigung machen könnten. Die Antwort: Ein freundliches JA.
Sie wollen einen Globus kaufen?
Mit diesem Satz wurde ich am nächsten Tag begrüßt. Verwundert schaute ich die Mitarbeiterin an und schüttelte den Kopf. „Ich bin der angekündigte Journalist. Wir würde gerne den Betrieb besichtigen und ich will darüber schreiben.“
Nun hätte ich erwartet, dass die Mitarbeiterin uns ihre Visitenkarte und eine Pressemappe überreicht, zudem ein paar Fragen stellt: Für wen oder was schreiben Sie? Was sind Ihre speziellen Interessen? Brauchen Sie Fotos, einen Interviewpartner?
Doch das schien sie nicht zu interessieren. Stattdessen führte sie uns durch den Shop, kurz in die Produktion und zum Schluss in eine Ausstellung.
Wenn Kommunikation misslingt
An dieser Stelle ahnen Sie vielleicht schon, dass mein Pressebesuch in der ältesten Globen-Manufaktur der Welt kein Happy End fand. Obwohl ich bereits 500 Kilometer Anreise hinter mir hatte und hoch motiviert war, einen spannenden Artikel über die beiden Brüder und die heutigen Inhaber zu schreiben.
Das Dilemma: Die Mitarbeiterin hatte sich auf kleinen Kärtchen etliche Notizen gemacht, die aber für meine Geschichte nicht relevant waren. Sie fragte nicht nach, welche Informationen ich als Berichterstatter brauche, um eine gute Story zu schreiben.
Stattdessen las sie ihre Kärtchen vor. Auch meine Fragen führten nicht zum Ziel. Schade, ich hätte zu gerne eine packende Unternehmergeschichte erzählt.
Mir fehlte die Story dahinter
Als ich wieder zurück in Nordhessen ankam, erreichte mich eine Mail der Mitarbeiterin. Sie hatte sich weder meinen Namen, noch meine Kontaktdaten notiert.
Ihre Nachricht schickte sie über meinen Freund: „Falls Sie im Rahmen einer Veröffentlichung Fotos nutzen möchten, die Sie während Ihres Besuchs bei uns aufgenommen haben, bitte ich Sie, mir diese vorab zur Durchsicht zukommen zu lassen.“
An dieser Stelle kippte die Geschichte. Mir war bereits klar, über dieses Unternehmen werde ich kein Portrait schreiben. Obwohl ich bereits sehr viel Zeit und Energie für die Recherche eingesetzt hatte. Statt mir relevante Fakten zu schicken, fragte sie nach meinen Fotos.
Deshalb kam ich auf die Idee, die Erfahrungen für einen Ratgeber-Beitrag zu nutzen.
Konkrete Praxistipps
Daher wechsle ich jetzt in die Beraterperspektive: Worauf sollten Sie als Unternehmer achten, wenn sich Journalistenbesuch ankündigt? Mein erster Tipp: Fragen Sie bereits am Telefon nach, welche Dienstleistung, welches Thema Anlass für den Besuch sind.
Informieren Sie sich über das Medium und das Format (Online, Print, TV, Radio), lassen Sie sich vorab kurz erklären, welche Wünsche der Journalist hat (Interview, Fotos, Hintergrundmaterial, Mitarbeitergespräch).
Je besser Sie die Bedürfnisse kennen, desto gezielter können Sie den Pressebesuch vorbereiten. Nach meiner Erfahrungen dauern Interviews von Regionalzeitungen max. 30 Minuten, noch ein kurzes Foto, mehr nicht. Auch Radio-Interviews sind in der Regel sehr schnell gemacht. Für 90 Sekunden – das ist die normale Beitragslänge – reicht ein Besuch von 15 bis 20 Min.
Fernsehen dagegen produziert in Tagen. Ein Beitrag für die regionalen Abendnachrichten wird an einem halben Tag aufgenommen, danach geschnitten und am selben Abend gesendet. Auch hier können Sie schon im Vorfeld klären, von wem O-Töne gebraucht werden. Sprich: Interviews mit Chef, Mitarbeiter oder Kunden.
Ein begeisterter Mitarbeiter
Zu jedem Pressebesuch sollten Sie einen „Waschzettel“ vorbereiten. Das ist Journalisten-Deutsch und meint eine Seite mit konkreten Hintergrundinfos, die auf jeden Fall richtig im Beitrag erscheinen sollen: Gründungsgeschichte, wichtigste Produkte, Größe des Unternehmens, bei einer GmbH der Jahresumsatz.
Wichtig: Benennen Sie einen verantwortlichen Ansprechpartner für Presseanfragen und schulen Sie diesen auch. In kleinen Firmen ist dies meist der Chef, der Unternehmer, der Geschäftsführer. Doch auch die Assistentin sollte informiert sein, wer in Urlaubszeiten die Presseanfragen beantwortet.
Wichtig: Es sollte ein Insider sein, der von der Firma und den Produkten begeistert erzählen kann, damit das Feuer auf den Reporter und später auf den Leser oder Zuschauer überspringt.
Professionelle Pressefotos
Zurück nach Krautenwies: Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn mir die Mitarbeiterin Pressefotos für mein Firmenportrait angeboten hätte. Zum Beispiel ein Foto der beiden Brüder, die 1909 das Unternehmen gegründet haben. Außerdem Produktfotos oder ein Portrait der heutigen Inhaber.
Das alles hätte ich an dieser Stelle veröffentlichen können. Doch sich im Nachhinein Bilder zur Freigabe schicken zu lassen, ist für mich eine Grenzüberschreitung und in der Medienbranche auch unüblich.
Wenn Sie als Unternehmer Einfluss auf die Berichterstattung nehmen wollen, bieten Sie Pressefotos an, die Sie von einem professionellen Fotografen herstellen lassen. Damit können Sie sicherstellen, dass Produkte und Produktion, Mitarbeiter und Firmengebäude von der besten Seite aus gezeigt werden.
Nun bin ich neugierig auf Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie mir einen kurzen Kommentar.