In diesem Jahr wurde mir eine knifflige Aufgabe gestellt: Herr Wälde, würden Sie bitte für uns einen Imagefilm drehen? Spontan habe ich dem Bestatter zugesagt und dann doch etliche Wochen gebraucht, bis mir eine stimmige Idee kam.

Vertrauen aufbauen in einem sensiblen Bereich
Ich habe Melanie und Volker Kesting vor einem Jahr kennengelernt. Aufmerksame Blogleser erinnern sich sich vielleicht noch an meinen Beitrag: Wie plant man seine eigene Beerdigung?
Nachdem ich in meinem Freundeskreis etliche enge Freunde plötzlich verloren hatte, war mir klar, dass ich für meine eigene Bestattung vorsorgen wollte. Bei dieser Gelegenheit habe ich die engagierten Bestatter kennengelernt.
Es war ein humorvolles, aber auch tiefes Gespräch. Schnell entstand großes Vertrauen zwischen uns. Als die beiden Kestings dann mit der Filmidee an mich herantraten, war mir klar: Hier geht es um Vertrauen.
Doch wie baut man Vertrauen in einem Imagefilm auf, der ein sehr sensibles Thema behandelt? Tod und Sterben zählen in unserer Gesellschaft zu den letzten Tabuthemen.
Bin ich bereit, mich verletzlich zu machen?
Nach der Anfrage habe ich wochenlang gebrütet: Wie kann ich das Vertrauen der Kunden zu einem fremden Bestatter aufbauen? Welche Bildsprache kann ich verwenden? Wie gestalte ich eine berührende Geschichte?
Mir fiel ein, dass mir Volker Kesting von seiner eigenen Krebserkrankung erzählt hat. Sie war der Wendepunkt in seinem Leben. Plötzlich wurde ihm als Vertriebsleiter im Einzelhandel bewußt, wie fragil sein Leben ist.
Volker Kesting entschied sich in der Zeit der Krankheit zu einem beruflichen Neuanfang: Er machte etliche Praktika, dann entschied er sich für die Ausbildung zum Bestatter. Schließlich erwarb er mit seiner Frau ein etabliertes Bestattungshaus.
Meine Frage an ihn: Sind Sie bereit, im Film von Ihrer größten Lebenskrise zu erzählen? Volker Kesting nickte und damit war die Geschichte für den Film gesetzt. Gleichzeitig war uns beiden bewußt, dass er sich damit auch als Unternehmer verletzlich macht.
Welches Bildsystem passt zur Geschichte?
Eine spannende Frage, die mich vor den Dreharbeiten stark beschäftigt hat, war das passende Bildsystem. Mir war schnell klar, dass ich keine echte Beerdigung und auch keine Toten zeigen will.
Doch wie illustriere ich das Thema so, dass es die Angehörigen, die nach einem Bestatter suchen, emotional berührt? Ich habe zuerst nach einem Wahrzeichen gesucht, das die meisten Bewohner in unserer Region Nordhessen kennen: Eine malerische Kapelle auf einem Berg, die auch in der Tourismuswerbung genutzt wird.
Was nur die Einheimischen wissen: Diese Kirche auf dem Schönberg wurde etliche Jahre für Trauerfeiern genutzt. Ich habe deshalb einen Kameramann gebeten, der sich auf Drohnenaufnahmen spezialisiert hat, bei Sonnenaufgang die Kapelle aufzunehmen.
Was die Zuschauer berührt
Auf dem Berg haben wir auch den Einstieg in den Film gedreht. Ein bekannter Ort, der vielen vertraut ist, als Aufhänger für einen Film, in dem es um Lebenskrise und Endlichkeit geht.
Mein befreundeter Kameramann Andreas Lehmann, mit dem ich seit Jahrzehnten viele Dokumentarfilme für das Fernsehen gedreht habe, hat an einem regnerischen Tag die Anschlussszenen aufgenommen.
Uns beiden war wichtig, den Film so authentisch zu gestalten, dass die Lebensgeschichte von Melanie und Volker Kesting die Zuschauer persönlich berührt und sie die Beerdigung den beiden anvertrauen.
Nun bin ich gespannt, wie Ihnen der neue Film gefällt. Aus meiner Sicht ist es kein klassischer Imagefilm, sondern ein Filmportrait von zwei außergewöhnlichen Menschen.
Sehr einfühlsam und autentisch. Da würde ich mich gern beerdigen lassen…