Kennen Sie Jan Lievens? Ein exzellenter Maler und Zeitgenosse Rembrandts. Die beiden haben in der selben Werkstatt gemalt und doch kennt Lievens heute niemand. Rembrandt dagegen ist auch nach 400 Jahren eine weltweit bekannte Marke. Dafür hat er zu Lebzeiten selbst gesorgt.

Rembrandt – gemalt von seinem heute unbekannten Kollegen Jan Lievens 1626

Wie entsteht eine Personenmarke?

In Kassel und Gotha läuft in diesem Jahr eine spannende Ausstellung: Rembrandt 1632. Das ist das Jahr, in dem Rembrandt enorm produktiv war und sich selbst zu einer Marke gemacht hat.

Maler waren im 17. Jahrhundert nicht besonders angesehen. Sie galten als Handwerker, die um Kundschaft und Aufträge kämpfen mussten. Rembrandt hat 1632 zwei gravierende Entscheidungen getroffen: Zuerst hat er sich entschieden, seinen Vornamen zur Marke zu machen.

Zuvor signierte er seine Bilder mit „RHL“. Rembrandt Harmensz aus Leiden. Das war zu lang und zu kompliziert. Manchmal schrieb er Rembrand, dann auch Rembrant – ab 1632 signiert er einheitlich Rembrandt mit „dt“

Er stellte sich damit in eine Linie mit den großen Meistern Raffael, Michelangelo und Tizian, die auch nur mit Vornamen ihre Arbeiten signierten.

80 Selfies stärken die Marke

Sehr spannend finde ich die Tatsache, dass sich Rembrandt 80 Mal selbst gemalt hat. Manche Maler-Selfies gibt es in drei Varianten. Einmal von ihm selbst gemalt, dann von einem Mitarbeiter aus seiner Werkstatt kopiert.

Ganz offensichtlich hat Rembrandt erkannt, wie wichtig es für seine Marke und sein Ansehen war, dass er nicht nur die Prominenten und die reichen Kaufleute abbildete, sondern selbst auch als vielfaches Bildnis sichtbar war.

In Kassel habe ich ein Bild entdeckt, dass Rembrandt 1632 von sich selbst gemalt hat. Die Besonderheit: Er malt sich in der Kleidung seiner Kunden. Im edlen schwarzen Outfit der reichen Kaufleute mit weißem Spitzenkragen. Das konnten sich nur die wohlhabenden Bürger leisten.

Es ist als ob er seinen Kunden sagen will: „Seht her, ich bin einer von euch.“ Nicht nur der Handwerksmaler, sondern ein Mitglied der reichen Kaufmannselite.

Selbstportrait von Rembrandt 1632

Gutes Selbstmarketing zahlt sich aus

1632 ist das Jahr des Durchbruchs für Rembrandt. Er zieht nach Amsterdam, wo die Reichen und Schönen wohnen. Er übernimmt eine eingeführte Werkstatt. Er etabliert seine Marke und gewinnt einen neuen Kundenstamm. Dadurch kann er zahlreiche Portraitaufträge generieren.

Sein Selbstmarketing zahlt sich aus. Er malt in diesem Jahr 32 Gemälde und 6 Grafiken. Es ist das produktivste Jahr seines Lebens.

Zwei Jahre später heiratet er Saskia, er wird Vater von vier Kindern, von denen drei wieder sterben. Auch das Glück mit Saskia ist nur von kurzer Dauer, sie verstirbt 1642 an Tuberkulose. Doch Tod und Erfolg liegen nah beieinander: Im selben Jahr stellt Rembrandt sein bekanntestes Werk vor: Die Nachtwache.

Eine Marke macht Karriere

Rembrandt stirbt im Oktober 1669. Doch seine Marke lebt weiter. Nicht nur in den einzigartigen Bildern.

Mein Lieblingsbild hängt in St. Petersburg: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes.

Im August 2013 stand ich davor und war so ergriffen von dem fast blinden Vater und seiner liebevollen Zuwendung zu seinem Sohn. Der holländische Autor Henri Nouwen hat zu diesem Bild einen Bestseller geschrieben, den ich sehr empfehlen kann: „Nimm sein Bild in dein Herz“.

Rembrandt ist bis heute noch als Marke bekannt: Bei YouTube gibt es Anleitungen für Fotografen, um ihre Portraits im sogenannten „Rembrandt Lightning“ aufzunehmen.

Der Name wurde aber auch für Züge, für Armbanduhren, als Kleidungslabel und als Zigaretten-Marke genutzt. Kurios: Der erste Fernseher der DDR trug 1953 den Namen „Rembrandt“. Ich glaube kaum, dass dass er ähnlich meisterhafte Bilder wie der niederländische Namensgeber lieferte.

Mein Tipp: Die Ausstellung „Rembrandt 1632“ öffnet am 5. September in Gotha.

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